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Original:
Anfangs erschrack Rapunzel gewaltig als ein Mann zu ihr herein kam, wie ihre Augen noch nie einen erblickt hatten, doch der Königssohn fieng an ganz freundlich mit ihr zu reden, und erzählte ihr daß von ihrem Gesang sein Herz so sehr sei bewegt worden, daß es ihm keine Ruhe gelassen, und er sie selbst habe sehen müssen. Da verlor Rapunzel ihre Angst, und als er sie fragte ob sie ihn zum Manne nehmen wolle, und sie sah daß er jung und schön war, so dachte sie ‘der wird mich lieber haben als die alte Frau Gothel,’ und sagte ja, und reichte ihm ihre Hand. Sie verabredeten daß er alle Abend zu ihr kommen sollte, aber die Zauberin die nur bei Tage kam, merkte nichts davon, bis einmal1819:Rapunzel erschrack nun anfangs, bald aber gefiel ihr der junge König so gut, daß sie mit ihm verabredete, er solle alle Tage kommen und hinaufgezogen werden. So lebten sie lustig und in Freuden eine geraume Zeit, und hatten sich herzlich lieb, wie Mann und Frau. Die Zauberin aber kam nicht dahinter, bis eines Tages das Rapunzel anfieng1812:anfing und zu ihr sagte “sag sie mir doch, Frau Gothel, wie kommt es nur,Insertion:No comparable text exists in earlier versions sie wird mir viel schwerer heraufzuziehen, als der junge Königssohn, der ist in einem Augenblick bei mir.Insertion:No comparable text exists in earlier versions” “Ach du gottloses Kind,” rief1812:sprach die Zauberin “was muß ich von dir hören, so hast du mich doch betrogen!” Und in ihrem Zorne packte sie1819:und sie merkte gleich, daß sie betrogen wäre, und war ganz aufgebracht. Da nahm sie die schönen Haare der Rapunzel1812:Rapunzels, schlug sie ein paar Mal um ihre linke Hand, griff eine Scheere mit der rechten, und ritsch, ritsch, waren sie abgeschnitten, und die schönen Flechten lagen auf der Erde. Und sie war so unbarmherzig daß sie die arme1812:Darauf verwieß sie Rapunzel in eine Wüstenei brachte, wo sie in großem Jammer und Elend leben mußte.1812:wo es ihr sehr kümmerlich erging und sie nach Verlauf einiger Zeit Zwillinge, einen Knaben und ein Mädchen gebar.
English Version:
At first, Rapunzel was very scared when a man like none she had ever seen before came in. But the prince started to talk to her warmly and told her that her song had moved his heart so deeply that he could have no peace and had to see her for himself. At that, Rapunzel lost her fear and when he asked her if she wanted to marry him, she saw that he was young and handsome and she thought ‘he would love me more than old Mother Gothel,’ so she said yes and reached him her hand. They agreed that he would visit her every evening but the sorceress, who only came by day, did not notice until one day Rapunzel said to her “say, Mother Gothel, how come is it that you’re so much harder to pull up than the young prince who will be here soon.” “Oh, you godless child,” shouted the sorceress, “what must I hear from you, you have deceived me so!” And in her anger she wrapped Rapunzel’s pretty hair around her hand a few times, grasped a pair of scissors with her right and snip, snip, cut it off. The pretty braids laid on the ground. She was so merciless that she sent the poor Rapunzel to a patch of wilderness, where Rapunzel had to live in great shame and sorrow.